Laufen
und Radfahren war ich in dieser Woche schon, also stand heute Schwimmen auf dem
Plan. Nach dem Frühstück ging es also los in mein Freibad, ein bisschen was für
die Wasserlage tun.
Bis
jetzt war ich allein auf meiner Sportbahn. Schon ein tolles Gefühl, so ein
wenig VIP-Style. Aber plötzlich bekam ich Gesellschaft. Anfangs dachte ich mir
nichts Böses. Ich war sicher, dass die nette (ich vermutete, sie sei nett)
direkt rüber zu Ihres Gleichen schwimmt. Doch dann merkte ich, dass Sie genau
das nicht vor hatte.
Etwas
verdutzt schaute ich mir nun an, was sich hier nun entwickeln würde. Die gute
Frau begab sich in Rückenlage, starte den grauen, bewölkten Himmel an und warf
die Arme hinter den Kopf. Also zumindest sollte es das wohl sein, was sie mit
Ihrer Bewegung tun wollte. Auf Höhe der Schulter klatschen die Ärmchen auf die
Wasseroberfläche. Nun ließ sich eine Bewegung der Beine erahnen, während die
Arme unter Wasser Richtung Hüfte unterwegs waren.
Fachleute
nennen diesen Schwimmstil „Rücken Altdeutsch“. Nicht gerade eine Variante, die
auf der Sportbahn häufig anzutreffen ist. Fasziniert von dem Umhertreiben der
netten Dame begann ich mit meinen 4 x 50
m (25 m Sprint / 25
m locker retour). Ich wartete extra ab, bis Sie am
Beckenrad der gegenüberliegenden Seite angekommen war und starte. Ich glaube
das war ganz gut so. Beim zweiten 50er konnte ich leider nicht so lange warten,
denn ich hatte ja noch mehr auf dem Plan und startete erneut.
Im
Augenwinkel sah ich, wie die nette Dame doch etwas zu schaukeln anfing, als
meine „Bugwelle“ sie erreichte. Irgendwie war ich jetzt im Zwiespalt. Auf der
einen Seite war ich auf einer Sportbahn unterwegs und erwartete, dass die
anderen Teilnehmer schon damit rechnen, dass hier auch manchmal etwas schneller
geschwommen wird. Auf der anderen Seite hat jeder Mensch, der sich
grundsätzlich bewegt und versucht, fit zu bleiben, meinen Respekt und meine
Anerkennung! Aber warum musste Sie sich denn ausgerecht jetzt hier bewegen? Das
restliche Becken war auch ziemlich leer, so dass es ohne Probleme möglich
gewesen wäre, dort etwas zu „planschen“.
Ich
brauch nicht zu erwähnen, dass das Kreisschwimmen natürlich nicht durchgezogen
wurde. Und nach zwei bis drei Bahnen ohne Pause, wurde nun immer nach 12,5
m eine kleine Pause am Beckenrad eingelegt.
Ich
war immer noch so verdutzt, dass ich es nicht mal fertig brachte, Sie
anzusprechen. Vor allem, was soll man da auch sagen.
„Äh,
Hallo, ich weiß, Sie machen hier Sport, aber wollen Sie den vielleicht nicht
auf der anderen Seite der Leine machen?“ oder
„Äh,
Hallo, wenn ich Ihnen einen Tipp geben darf, trainieren Sie Ihre
Körperspannung, dann bekommen Sie eine bessere Wasserlage!“
Nach
meinen Sprinteinlagen wurden 5 x 400 m im GA1 geschwommen –
alles schön gleichmäßig und ruhig. Immer die ersten 25
m einer 100ers „Faustschwimmen“, die restlichen 75
m ganz normal. So verging die Zeit auch schnell und nach
dem zweiten 400er war ich dann auch wieder alleine auf der Bahn.
Schließlich
noch 6 x 50 m (12,5
m Sprinten/ 37,5 locker) und 200
m Ausschwimmen und auch diese 3.300
m wären in trockenen Tüchern. Aber ich fragte mich schon
noch, ob ich da mal hätte was sagen sollen. Solange nur Sie und ich da waren,
klappte das ja, aber sowie da noch 1-2 weitere Schwimmer auftauchen, kann es
echt gefährlich werden für Sie.
Ganz
im ernst, wenn man das kurz nach der Wende übersieht, dass Sie vor einem im
Wasser „steht“ und man womöglich gerade mit etwas mehr Dampf unterwegs ist,
dann gibt das ordentlich Haue. Und ich weiß nicht, ob das wirklich das Richtige
für sie wäre. Das ganze erinnert mich etwas an die 60
km/h Fahrer in der linken Spur einer Autobahn ohne
Geschwindigkeitsbegrenzung. Im Falle eines Unfalls ist der 220
km/h fahrende „Raser“ wieder schuld. Weil er hätte damit
rechnen müssen.
Und
genau das will mir nicht in den Kopf. Wieso muss ich damit rechnen, dass auf
der Sportbahn jemand einen Überlebenskampf im Wasser antritt und von
Aquajoggern gnadenlos abgehängt worden wäre?
Wie
auch immer. Ich habe weitere 3.300 m in den Armen und habe es
geschafft, niemandem Schaden zuzufügen. Jetzt noch schnell die Tasche packen
und etwas vorschlafen, denn um 4:00 Uhr wird die Reise in den Süden
Deutschlands los gehen. Immer in der Hoffnung, dass um diese Zeit nicht so
viele auf demselben Weg sind.
Lasst Euch nicht
ärgern!
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