Donnerstag, 13. Juni 2013

Rücken Altdeutsch


Laufen und Radfahren war ich in dieser Woche schon, also stand heute Schwimmen auf dem Plan. Nach dem Frühstück ging es also los in mein Freibad, ein bisschen was für die Wasserlage tun.

Plan GA1-14 sollte es sein. 200m Aufwärmen, was in dem inzwischen warmen Wasser bei gut 19° Außentemperatur auch sehr schnell ging. Gefolgt von 8 x 50 m Technik Training. Die ersten 25 m „Oberschenkel fassen“ und dann lockeres GA1 mit dem Augenmerk auf den kompletten Stil dann wieder zurück.

Bis jetzt war ich allein auf meiner Sportbahn. Schon ein tolles Gefühl, so ein wenig VIP-Style. Aber plötzlich bekam ich Gesellschaft. Anfangs dachte ich mir nichts Böses. Ich war sicher, dass die nette (ich vermutete, sie sei nett) direkt rüber zu Ihres Gleichen schwimmt. Doch dann merkte ich, dass Sie genau das nicht vor hatte.

Etwas verdutzt schaute ich mir nun an, was sich hier nun entwickeln würde. Die gute Frau begab sich in Rückenlage, starte den grauen, bewölkten Himmel an und warf die Arme hinter den Kopf. Also zumindest sollte es das wohl sein, was sie mit Ihrer Bewegung tun wollte. Auf Höhe der Schulter klatschen die Ärmchen auf die Wasseroberfläche. Nun ließ sich eine Bewegung der Beine erahnen, während die Arme unter Wasser Richtung Hüfte unterwegs waren.

Fachleute nennen diesen Schwimmstil „Rücken Altdeutsch“. Nicht gerade eine Variante, die auf der Sportbahn häufig anzutreffen ist. Fasziniert von dem Umhertreiben der netten Dame begann ich mit meinen 4 x 50 m (25 m Sprint / 25 m locker retour). Ich wartete extra ab, bis Sie am Beckenrad der gegenüberliegenden Seite angekommen war und starte. Ich glaube das war ganz gut so. Beim zweiten 50er konnte ich leider nicht so lange warten, denn ich hatte ja noch mehr auf dem Plan und startete erneut.

Im Augenwinkel sah ich, wie die nette Dame doch etwas zu schaukeln anfing, als meine „Bugwelle“ sie erreichte. Irgendwie war ich jetzt im Zwiespalt. Auf der einen Seite war ich auf einer Sportbahn unterwegs und erwartete, dass die anderen Teilnehmer schon damit rechnen, dass hier auch manchmal etwas schneller geschwommen wird. Auf der anderen Seite hat jeder Mensch, der sich grundsätzlich bewegt und versucht, fit zu bleiben, meinen Respekt und meine Anerkennung! Aber warum musste Sie sich denn ausgerecht jetzt hier bewegen? Das restliche Becken war auch ziemlich leer, so dass es ohne Probleme möglich gewesen wäre, dort etwas zu „planschen“.

Ich brauch nicht zu erwähnen, dass das Kreisschwimmen natürlich nicht durchgezogen wurde. Und nach zwei bis drei Bahnen ohne Pause, wurde nun immer nach 12,5 m eine kleine Pause am Beckenrad eingelegt.

Ich war immer noch so verdutzt, dass ich es nicht mal fertig brachte, Sie anzusprechen. Vor allem, was soll man da auch sagen.

„Äh, Hallo, ich weiß, Sie machen hier Sport, aber wollen Sie den vielleicht nicht auf der anderen Seite der Leine machen?“ oder

„Äh, Hallo, wenn ich Ihnen einen Tipp geben darf, trainieren Sie Ihre Körperspannung, dann bekommen Sie eine bessere Wasserlage!“

Nach meinen Sprinteinlagen wurden 5 x 400 m im GA1 geschwommen – alles schön gleichmäßig und ruhig. Immer die ersten 25 m einer 100ers „Faustschwimmen“, die restlichen 75 m ganz normal. So verging die Zeit auch schnell und nach dem zweiten 400er war ich dann auch wieder alleine auf der Bahn.

Schließlich noch 6 x 50 m (12,5 m Sprinten/ 37,5 locker) und 200 m Ausschwimmen und auch diese 3.300 m wären in trockenen Tüchern. Aber ich fragte mich schon noch, ob ich da mal hätte was sagen sollen. Solange nur Sie und ich da waren, klappte das ja, aber sowie da noch 1-2 weitere Schwimmer auftauchen, kann es echt gefährlich werden für Sie.

Ganz im ernst, wenn man das kurz nach der Wende übersieht, dass Sie vor einem im Wasser „steht“ und man womöglich gerade mit etwas mehr Dampf unterwegs ist, dann gibt das ordentlich Haue. Und ich weiß nicht, ob das wirklich das Richtige für sie wäre. Das ganze erinnert mich etwas an die 60 km/h Fahrer in der linken Spur einer Autobahn ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Im Falle eines Unfalls ist der 220 km/h fahrende „Raser“ wieder schuld. Weil er hätte damit rechnen müssen.

Und genau das will mir nicht in den Kopf. Wieso muss ich damit rechnen, dass auf der Sportbahn jemand einen Überlebenskampf im Wasser antritt und von Aquajoggern gnadenlos abgehängt worden wäre?

Wie auch immer. Ich habe weitere 3.300 m in den Armen und habe es geschafft, niemandem Schaden zuzufügen. Jetzt noch schnell die Tasche packen und etwas vorschlafen, denn um 4:00 Uhr wird die Reise in den Süden Deutschlands los gehen. Immer in der Hoffnung, dass um diese Zeit nicht so viele auf demselben Weg sind.

Lasst Euch nicht ärgern!

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