Zwei Wochen nach meinem
Mammut-Wochenende mit Fördecrossing am Samstag und dem Kieler Triathlon am
Sonntag ging es nun erneut nach Ratzeburg auf die Mitteldistanz.
Das Wetter sah ganz gut
aus und auch die Temperaturen waren angenehmer als im Vorjahr. Es ist
immer von Vorteil, wenn man einen Wettkampf kennt. Das beruhigt in der ganzen
Vorwettkampfnervosität immer ganz ordentlich. In Ratzeburg angekommen, holte
ich mir als erstes schnell meine Startunterlagen und dann ab zum Schwimmbad.
Keine Sorge, nicht zum Schwimmen! Aber das Cafe dort hatte bereits offen, so
dass ich mir dort noch in aller Ruhe einen Kaffee gönnen konnte.
Anschließend ging es zum
Rad-Checkin und zum Einrichten der Wechselzone. Diese ist glücklicherweise
recht übersichtlich, so dass man sich wirklich ganz gut merken kann, wo sein
Platz ist. Rein in den Neo und dann ab zu Schwimmstart.
Bei eigentlich allen
Triathlonveranstaltungen, wo ich bisher gestartet bin, wurde direkt im Wasser
gestartet. Nicht so in Ratzeburg – am Strand stehend warteten wir auf den
Startschuss! Und ab ging es. Wahnsinn wenn sich rund 250
in die Fluten stürzen!
Eine Runde zu 2
km stand an und lief echt gut. Ich konnte mein gewohntes
Tempo schnell finden und war bereits nach 40 Minuten wieder raus aus dem
Wasser. Nach einem flotten Wechsel ging es auf die neue Radstrecke. Bzw.
eigentlich war es ja die alte Radstrecke. Wie auch immer, sie war anders zu der
im Vorjahr und daher kannte ich sie eben nicht.
80
km waren auf zwei Runden zu fahren. 5 HSVler waren wir und
ich hatte meinen Entschluss gefasst! Flucht nach vorn! In der Wechselzone bekam
ich mit, dass zeitgleich mit mir Kerstin aus dem Wasser kam. Die drei anderen –
nicht zu sehen. Also rauf aufs Rad, Kette rechts und richtig drücken.
Das klappte super!
Bereits nach den ersten 3-4 km machte ich ordentlich
Meter und sammelte mir nach und nach die schnellen Schwimmer! Von hinten kamen
nur sehr selten noch Leute an mir vorbei geflogen. Und die die kamen, spielten
in einer anderen Liga. Also Kopf runter, treten, treten und dann noch treten!
Inklusive beider Wechsel
brauchte ich 2:30h für die welligen 80
km, bevor es dann zum Laufen ging. Der Schnitt lag somit
weit über 30 km/h und ließ mich ahnen,
dass ich nach wie vor erster vom HSV sein müsste. Aber nun kam meine schwächste
Disziplin. 20 km in zwei Runden um den
Küchsee laufen. Die Strecke hat immer wieder kleine fiese Rampen und unebenes
Geläuf. Sie liegt wirklich nicht jedem. Aber ich kam im Vorjahr gut damit klar,
also machte ich mich auch nicht verrückt.
Auf meiner Flucht nach
vorn schlug ich von beginn an ein echt hohes Tempo an und betete nur,
durchzuhalten. Schnell sammelte ich zwei Starter ein, die ein ähnliches Tempo
liefen und lies mich mitziehen. Einfach mal kurz keine Gedanken ums Tempo
machen, nur stumpf hinterher. Das war wirklich in dem Moment für den Kopf super
entspannend. Und die beiden störten sich nicht dran und nahmen mich die
nächsten 12 km mit! Danke an dieser
Stelle! Dann lösten sie ihre Allianz. Der Kerl wollte schneller, das Mädel langsamer,
also musste ich alleine ran. Um die 5 km waren noch zu laufen.
Nach wie vor keiner der vier zu sehen. Ich hatte Hoffnungen, durch zu kommen
und erster von uns zu werden. Aber dafür mussten die nächsten 5
km mindestens so laufen wie die letzten 15!
Bei der letzten
Verpflegung gönnte ich mir noch mal einen Schluck Cola und dann hieß es Vollgas
und ab ins Ziel! Ich rannte wie ein Bekloppter über Stock und Stein, der Kopf
hoch rot, die Atmung schwer und der Puls hämmerte in allen Adern. Wie lange
kann ich das noch gehen?
Immer wieder zwickte es
in den Beinen. Lange machten die nicht mehr mit. Also weiter – Meter um Meter
kam das Ziel näher! Zwei Kilometer vor dem Ziel begannen dann die ersten
Krämpfe. Genau an derselben Stelle, wo es auch am Vorjahr los ging! Aber es
half nichts, ich musste weiter!
Einen Blick zurück,
keiner zu sehen von meinen Leuten – weiter gegen die Krämpfe an, Richtung Ziel
– Endlich, die lange Zielgerade kam in Sichtweite. Nun hatte ich ein Ziel vor
Augen. Ich mobilisierte zum letzten Mal die letzten Reserven und gab alles!
Auf der Zielgeraden
angekommen, überkam mich dann Gänsehaut pur! In Manier eines Radfahrers der
seinen Etappensieg feierte, zog ich noch schnell den Reisverschluss vom Trikot hoch,
riss die Arme in die Höhe und deutete nur auf die Raute! Der Sprecher begrüßte
mich mit folgenden Worten:
„Herzlichen Glückwunsch an Stefan Will vom HSV
Triathlon! Du hast es geschafft – NUR der HSV!“
Ich weiß nicht wo sie her
kamen, aber ich merkte, wie mir die erste Träne über die Wange lief – der
absolute Wahnsinn! Vor einem Jahr bin ich mit dem Ziel, unter 6 Stunden rein zu
kommen, an den Start gegangen, in diesem Jahr wollte ich dann die 5:48h unterbieten
und nun blicke ich auf die Uhr 5:05h! Dann dieser Spruch vom Sprecher! Das war
alles zuviel für mich! Ich suchte mir ein stilles Plätzen und genoss den Moment
in ganzen Zügen.
Als ich mich dann wieder
etwas sortiert hatte, ging es die Strecke zurück zum Kollegen mit dem
Fotoapparat, um die anderen in Empfang zunehmen!




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